Hält dein Gartenhaus kommende Schneelasten aus? Darauf musst du achten!
Nach einer Nacht mit Schneefall liegen 30 Zentimeter auf deinem Gartenhaus, und du fragst dich, ob das Dach das mitmacht. Die Antwort steckt normalerweise im mitgelieferten oder auf der Hersteller-Website verfügbaren Datenblatt, genauer in der Angabe zur Schneelast. Sie steht in kN/m², also Kilonewton pro Quadratmeter, und lässt sich schnell übersetzen. 1 kN/m² entspricht ungefähr 100 Kilogramm Schnee auf einem Quadratmeter Grundfläche. Bei 0,75 kN/m², einem bei einfachen Bausätzen sehr verbreiteten Wert, darf der Schnee auf dem Dach deines Gartenhauses also rund 75 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen.
Wie viele Zentimeter das sind, hängt von der Schneeart ab. Und wie viel Schnee dein Dach in Bayern rechnerisch aushalten muss, hängt von deinem Standort ab. In diesem Artikel bringen wir den Datenblattwert mit Schneelastzone, Wandstärke und Dachaufbau zusammen. Dabei geht es um Zahlen, die du am Datenblatt, am Standort und mit einer Küchenwaage selbst prüfen kannst. Am Ende hast du eine Tabelle, die dir für dein Gartenhaus zeigt, bei welcher Schneehöhe du zum Dachschieber greifst.
Warum die Schneehöhe allein nichts verrät
Zwanzig Zentimeter Schnee können 20 oder 80 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen. Laut einem Merkblatt der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium (Stand 2012) wiegen 10 Zentimeter frischer Pulverschnee etwa 10 Kilogramm, 10 Zentimeter Nassschnee bis zu 40 Kilogramm. Dazu kommt, dass eine Schneedecke mit der Zeit dichter wird. Sie setzt sich, taut an, friert wieder und saugt bei Regen Wasser auf. Gerechnet wird immer auf die waagerechte Grundfläche, nicht auf die schräge Dachfläche.
Schneelastzonen in Bayern und was sie für dein Gartenhaus bedeuten
Wie viel Schnee ein Gebäude tragen muss, regelt die Norm DIN EN 1991-1-3, ein Teil des Eurocode 1. Sie teilt Deutschland in Schneelastzonen ein und verknüpft sie mit der Höhe über Normalnull. Die Zuordnung folgt den Gemeindegrenzen, Nachbarorte können also in verschiedenen Zonen liegen. Welche Zone bei dir gilt, sagt dir deine Gemeinde oder das Bauamt.
Je höher dein Grundstück liegt, desto mehr rechnet die Norm für ein Wohnhaus. Auf rund 400 Metern, wie in Altötting, liegt dieser Wert nach grober Rechnung schon deutlich über den 0,75 kN/m² eines einfachen Gartenhaus-Datenblatts. Bei einem Gartenhaus ohne Daueraufenthalt ist das verbreitet, es heißt aber, dass die Reserve klein ist. Verlass dich im Winter also nicht auf ungenutzten Puffer, sondern plane das Räumen fest ein.
Wandstärke, Dachaufbau und Datenblatt richtig lesen
Was Wandstärke und Dachschalung über die Schneelast verraten
Die meisten Gartenhäuser aus Holz sind Blockbohlenhäuser, bei denen massive Bohlen übereinander die Wände bilden. In den Datenblättern gängiger Bausätze steigt die Schneelast mit der Bauart. Bei 28 Millimetern Wand und 19 Millimetern Dachschalung stehen meist 0,75 bis 0,85 kN/m² drin, bei 70 Millimetern Wand und 28 Millimetern Dachschalung rund 1,75.
Verlass dich trotzdem nicht auf die Wandstärke allein, denn Ausreißer gibt es. Die Wand trägt die Last nur senkrecht nach unten ab, wie viel Schnee aufliegen darf, entscheidet das Dach. Dort zählen die Dicke der Dachschalung, die Pfetten und ihr Abstand zueinander, die sogenannte Spannweite. Pfetten sind die waagerechten Balken, die die Dachschalung abstützen. Im Holzbau gehören zu dickeren Wandbohlen häufig kräftigere Pfetten, deshalb steigen die Werte meist mit der Wandstärke. Auch die Neigung zählt, denn auf einem flachen Pultdach bleibt mehr Schnee liegen als auf einem steilen Satteldach.
Diese Fragen gehören zum Datenblatt
Viele Datenblätter nennen den Wert ohne Hinweis auf Schneelastzone oder Höhe über Normalnull. Frag deshalb nach, für welchen Standort die Angabe gedacht ist und ab welcher Schneehöhe der Hersteller das Räumen empfiehlt.
Ab welcher Schneehöhe du das Dach räumen solltest
Dasselbe Merkblatt rät, das Dach spätestens zu räumen, wenn die zulässige Schneelast erreicht ist. Eine praxistaugliche Faustregel lautet, früher anzufangen, nämlich bei etwa zwei Dritteln des Datenblattwerts. So bleibt Spielraum für Neuschnee über Nacht, für Regen auf der Schneedecke und für Verwehungen.
So rechnest du es nach. Den Datenblattwert in kN/m² nimmst du mal 100 und erhältst Kilogramm pro Quadratmeter. Davon nimmst du zwei Drittel und teilst durch das Gewicht von einem Zentimeter Schnee. Das sind etwa 1 Kilogramm bei Pulverschnee, 2,5 Kilogramm bei gesetztem Schnee und 4 Kilogramm bei Nassschnee. Für zwei typische Datenblattwerte haben wir es schon gerechnet.
| Datenblattwert | Pulverschnee | gesetzter Schnee | Nassschnee |
| 0,75 kN/m² | 50 cm | 20 cm | 12 cm |
| 1,75 kN/m² | 115 cm | 46 cm | 29 cm |
Die 30 Zentimeter, die manche Händler für 0,75 kN/m² nennen, stimmen nur bei gesetztem Schnee. Bei Nassschnee ist das Dach lange vorher voll.
Wenn du die Schneeart nicht einschätzen kannst, wiege sie. Stich neben dem Haus ein Stück Schnee aus, das 10 mal 10 Zentimeter misst und so hoch ist wie die Schneedecke, lege es auf eine Küchenwaage und multipliziere das Gewicht in Kilogramm mit 100. Das ist eine Näherung, denn auf dem Dach kann der Wind mehr zusammenschieben als am Boden. Warnzeichen für zu viel Last sind eine durchhängende Dachschalung, knackende Geräusche und eine Tür, die plötzlich klemmt.
So räumst du das Dach sicher
Bleib dabei auf dem Boden. Bei einem Gartenhaus reicht meist ein Dachschieber mit Teleskopstange. Das Dach zu betreten ist keine gute Idee, denn bei hoher Last kann schon das Gewicht einer Person die Schalung schädigen. Bei einem Satteldach trägst du den Schnee abwechselnd von beiden Seiten ab. Lass eine dünne Schicht liegen, damit Dachbahn und Holz nicht beschädigt werden.
So wählst du ein Gartenhaus, das zum Winter in deiner Region passt
Beim Kauf lohnt sich die Gegenrechnung mit dem Wert für deinen Standort. Wer auf Nummer sicher gehen will oder das Haus im Winter regelmäßig nutzt, plant nicht mit dem Minimum. Bei Holz Stengel gibt es Gartenhäuser von Wolff Finnhaus mit Wandbohlen von 20 bis 70 Millimetern. Frag uns nach dem Datenblatt zu deinem Wunschmodell und bring deinen Standort mit, dann schauen wir den Vergleich gemeinsam an. Auf Wunsch baut unser Team das Gartenhaus auch fachgerecht auf.
Fazit
Die Schneelast im Datenblatt ist eine Gewichtsangabe. 1 kN/m² entspricht rund 100 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter Grundfläche, und wie viele Zentimeter das sind, entscheidet die Schneeart. Bei einfachen Bausätzen liegt der Wert oft unter dem, was die Norm für ein Wohnhaus am selben Standort ansetzt. Deshalb räumst du am besten früher, bei 0,75 kN/m² etwa ab 20 Zentimetern gesetztem Schnee oder 12 Zentimetern Nassschnee. Wandstärke, Dachschalung und Pfetten zeigen dir, wie viel Spielraum dein Haus hat.

